Dienstag, 21. Oktober 2014

Meine Ausbildung - Informationstechnische/r Assistent/in

Heute möchte ich euch von meiner Ausbildung erzählen. Viele Erfahrungsberichte kann man im Internet darüber nicht lesen und wenn man etwas lesen kann, dann häufig negatives. Warum? Das möchte ich euch jetzt erzählen.

Schon länger habe ich überlegt darüber zu schreiben, aber da es doch irgendwie sehr persönlich ist, habe ich es noch gelassen. Allerdings fand ich es toll als Yuna von "Une vie artistique" über ihre Ausbildung geschrieben hat und dachte mir, dass mach ich jetzt auch. Ihren Post zum GTA könnt ihr hier lesen.

Ich möchte euch grundlegendes zu meiner Ausbildung erzählen, vielleicht auch ein bisschen detaillierter, damit man sich ein gutes Bild davon machen kann. Wen das ganze nicht Interessiert und wer nur wissen will, wie mir persönlich die Ausbildung gefallen hat, der sollte runter scrollen! ;)





Grundlegende Informationen



Wie schon im Titel geschrieben, heißt meine Ausbildung "staatlich geprüfter Informationstechnische/r Assistent/in". Natürlich bin ich auch nicht der allwissende Guru, wenn es um dieses Thema geht, aber ich werde versuchen nach meinem besten Wissen darüber zu erzählen und zu informieren. Da ich meinen ITA mit dem Fachabi gemacht habe, ist klar dass ich darüber am Meisten zu erzählen weiß. Natürlich handhabt jede Schule den ITA ein bisschen anders, also am Besten immer nachfragen wie es an der Schule eures Interesses gemacht wird.

Erstmal möchte ich euch ein paar grundlegende Informationen zu der Ausbildung geben:
  • Sie dauert je nach Zusatzqualifikation zwischen zwei und vier Jahren. 
  • Zusatzqualifikationen sind zum Beispiel Fachabitur oder Abitur.
  • Sie ist (bis auf ein Praktika) rein schulisch und wird mit Bafög gefördert. 
  • Vorgeschrieben sind mindestens 4 Wochen Praktikum 

Den ITA (wie es so gern abgekürzt wird), gibt es nicht in allen Bundesländern. Allerdings haben die meisten Bundesländer etwas ähnliches eingeführt. Hier in NRW, wo ich wohne, kann man ihn an den Berufskollegs machen. Generell gibt es einige Vorgaben von den Behörden, was den ITA angeht, aber trotzdem handhaben die Schulen das untereinander nochmal ganz anders.

Häufig wird der ITA in Kombination mit dem Fachabitur oder dem vollen Abitur angeboten. Bei beiden Varianten kommen nochmal allgemeinbildende Fächer dazu sowie die normalen Anforderungen wie auch bei Fachabitur und Vollabitur.

Und jetzt kommt das große Manko: Es ist zwar eine richtige Ausbildung, allerdings wird sie kaum als solche anerkannt. Kaum ein Chef stellt einen Mitarbeiter auf Grundlage des ITAs ein. Es ist eher eine Art Vorstufe zu einer weiteren Ausbildung oder einem Studium. Leider weiß so gut wie niemand das im Vorhinein und erlebt dann das Böse erwachen.
 Allerdings könnt ihr mit dem ITA eure Ausbildung (zum Beispiel zum Fachinformatiker/in) verkürzen und habt so trotzdem noch einen Vorteil. Natürlich ist es insgesamt gesehen länger, hat aber meiner Meinung nach auch Vorteile.


Einstieg in den ITA



 Erstmal solltet ihr euch überlegen, in welcher Kombination ihr den ITA machen wollt.

Der ITA alleine dauert rund zwei Jahre. Allerdings erhaltet ihr dann auch keine Zusatzqualifikation.

Mit dem Fachabi zusammen dauert der ITA genau 3 Jahre. Danach erhaltet ihr den Berufsabschluss und das Fachabi, womit ihr im technischen Bereich (Informatik, Medieninformatik, Wirtschaftsinformatik) an der Fachhochschule (FH) studieren könnt.

Überlegt ihr euch, dass ihr das volle Abitur zu dem ITA zu machen, dann müsst ihr etwas mehr Zeit einplanen, in etwa 3 1/4 bis 4 Jahre, das ist sehr von der Schule abhängig. Zusätzlich müsst ihr eine zweite Fremdsprache lernen, vorrausgesetzt ihr habt diese nicht vorher schon gelernt. Es gelten quasi die gleichen Regeln wie beim Standard-Abitur. Damit könnt ihr dann auch alles studieren, was ihr möchtet.

Um den ITA machen zu können, müsst ihr euch eine Schule aussuchen, die den ITA anbietet und die neue Schüler annimmt. Ausserdem müsst ihr mindestens einen Realschulabschluss haben, allerdings soll es auch mit Hauptschulabschluss und Qualifikation möglich sein. Richtig bewerben müsst ihr euch eigentlich nicht, ihr meldet euch lediglich bei den Anmeldetagen an der Schule eures Vertrauens an.
Je nach Schule kann es sein, dass ihr noch einen Einstiegstest, zum Beispiel in Mathematik, absolvieren müsst. Natürlich schadet es nicht, sich erstmal an mehreren Schulen anzumelden. Das ist eigentlich gang und gäbe, soweit ich das mitbekommen habe.

Habt ihr es dann erstmal geschafft, angenommen zu werden, ist soweit alles geklärt.




Der Unterricht



Eigentlich beginnt der Unterricht bei null, er setzt quasi keinerlei Vorkenntnisse vorraus. Auch als totaler Anfänger in Sachen Rechner und Technik kann man ganz gut mithalten.
Je nachdem, welche Zusatzqualifikation ihr euch ausgesucht habt, habt ihr unterschiedliche Bedingungen und Fächer. Ich möchte jetzt detailliert von dem ITA mit dem Fachabitur erzählen, so wie es die meisten meiner späteren Kommilititonen auch gemacht haben.

Es gibt fachspezifische und allgemeinbildende Fächer. Zu den allgemeinbildenden Fächern gehören "Deutsch/Kommunikation", Politik, Sport und Religion.

Als fachspezifische Fächer zählten in meinem Falle:
Programmieren, Datenbanken, Rechnersystemtechnik, Betriebssysteme/Netzwerke, Elektrotechnik/Prozesstechnik, Text- und Mediengetaltung, Mathematik, Wirtschaftslehre, Englisch und Werkstatt.

Die meisten Namen der Fächer sprechen für sich, trotzdem möchte ich eben die Fächer erklären.
Das Fach Programmieren war genau das, wonach es sich anhört. Man kann nicht genau sagen, welche Sprache beigebracht wird, es ist eine Sache der Schule.
Datenbanken ist ebenso ein Fall, auch hier obliegt es der Schule, aber natürlich geht es um Datenbanken.
In Rechnersystemtechnik ging es hauptsächlich um die Teile des Rechners. Natürlich lernten wir nicht nur stumpf die Teile auswendig, sondern lernten, selbst kleine Schaltungen und Speicher zu bauen. Ausserdem lernten wir nochmal praktischere Teile der Physik und verschiedene Technologien.
Elektrotechnik war ein bisschen wie Physik in der Schule, allerdings ein wenig weiterführender und natürlich ein wenig angepasster auf die Ausbildung.
In Betriebssysteme lernt man eben erstmal die grundlegenden Sachen eines Betriebssystemes kennen, lernt verschiedene Möglichkeiten für verschiedene Aufgaben kennen und so weiter. Eigentlich genau das, was man sich vorstellt. Eigentlich aber eher die praktische Seite des Betriebssystems, richtig in die Tiefe geht es nicht. Ausserdem lernt man, wie man Netzwerke richtig verkabelt und einstellt.
Text- und Mediengestaltung ging in die Richtung von Word/Excel im ersten Jahr, danach standen Schnellschreiben und zuletzt HTML, CSS, PHP und co. auf dem Plan.
Werkstatt hieß für uns nichts anderes, als dass wir einen Rechner von Grund auf zusammen gebaut haben. Lacht nicht, aber viele, selbst studierte (!) Informatiker können das nicht.

Die Fächer Mathematik, Deutsch, Englisch und Politik waren größtenteils ganz normaler Schulstoff. Natürlich war es auf dem Nivau des Fachabis. In Englisch hatten wir ein spezielles Buch für den Unterricht, da wir eher fachspezifisches Englisch lernen sollten und eben ein paar Begriffe. Allerdings waren die "fachspezifischen" Wörter so grundlegend, dass wir nur darüber lachen konnten.

Je nachdem, welche Schule ihr habt und auf welche Schwerpunkte diese Schule dann setzt, macht ihr mehr oder weniger in den einzelnen Fächern. Wir haben zum Beispiel auch recht viel gleich praktisch gelernt, zum Beispiel LAN-Kabel selber zu basteln und ähnliches.




Das Praktikum



Im zweiten Jahr ist das gesetztliche Praktikum an der Reihe. Vorgeschrieben sind glaube ich mindestens 4 Wochen, bei uns waren es 8 Wochen.
Dieses Praktikum ist verpflichtend, ohne schafft ihr das Jahr nicht und bleibt sitzen!

Anders als ihr es vielleicht von der Schule her kennt, müsst ihr euch selbst um eurer Praktikum kümmern und euch eigenständig eins organisieren. Die Lehrer helfen zwar dabei und geben Listen aus, auf denen Vorschläge für Betriebe stehen, letztendlich ist es aber euer Bier.

Im Praktikum müsst ihr eine Dokumentation schreiben. Je nach Schule (oder auch schon Lehrer!) kann es gewaltige Unterschiede im Umfang der Dokumentation geben. Nicht selten müsst ihr aber jeden Tag aufschreiben, was ihr so im Groben getan habt. Wir mussten uns ein Schwerpunkt-Projekt aussuchen, über das wir dann genauer berichten sollten.
Am Ende des Praktikums gab es bei uns noch einmal eine Präsentation die 10 Minuten lang sein sollte.
Hier sollte man von dem Betrieb erzählen, seinen Aufgaben, das Projekt und über das Praktikum reflektieren.

Mein Rat ist: Sucht euch ein interessantes Praktikum! Sonst werden die 8 Wochen echt lang, man merkt es eurer Dokumentation und der Präsentation an und lernen werdet ihr auch nichts. Hierfür gibts aber trotzdem Noten! ;)



Die Abschlussprüfungen



Welche Fächer als Abschlussprüfungen dran kommen, variiert und wird von der Konferenz festgelegt.

Bei uns waren es alles in allem 7 Prüfungen (Fachabitur). Deutsch, Mathe und Englisch sind verpflichtende Prüfungen und kommen immer dran. Diese Prüfungen sind dann auf dem Niveau der jeweiligen Zusatzqualifikation (zum Beispiel Fachabitur.) Beim Abitur kommen nochmal andere Prüfungen dazu.

Neben den drei typischen Prüfungen hatten wir eine praktische Prüfung. Diese bestand aus einer größeren Programmieraufgabe, die wir in 8 Stunden erledigen sollten. Ja, 8 Stunden für eine Programmieraufgabe. Allerdings wurden hier mehrere Fächer zusammen gelegt, zum Beispiel TMG und Datenbanken kamen zum Programmieren. So wurde keine statische Seite verlang, sondern eine Seite, die ihre Informationen aus der Datenbank bezog. Auch das Design wurde begutachtet.

Ansonsten gab es noch Prüfungen in drei verschiedenen fachbezogenen Fächern. Bei uns wurden Rechnersystemtechnik, Datenbanken und Programmieren. Alle drei Prüfungen waren theoretisch und bestanden aus den typischen Aufgaben des Faches.

Bestanden hat in unserer Klasse jeder.




Meine Erfahrungen / mein Fazit



Würde ich diese Ausbildung nochmal machen? Ja, jederzeit.

Viele blicken auf die Ausbildung herab, da sie eben "nur" schulisch ist. Ich finde aber, sie bietet ein tolles Sprungbrett in die Berufswelt, solang man sich darauf einlässt.
Wenn man zu große Erwartungen in die Ausbildung hat, wird man wahrscheinlich enttäuscht. Man lernt von vielem etwas, aber nichts komplett. Es ist wirklich eher eine Art Vorbereitung, in der man erkennt, was für einem Bereich einem am Besten liegt. Ausserdem lernt man viele Sachen auch von der praktischen Seite kennen, anders als im Studium.

Meine Ausbildung ging von 2009 bis 2012.
Der Umgang mit den Lehrern ist in der Ausbildung ein ganz anderer als noch auf der Realschule. Man wird als viel erwachsener angesehen und man hat (wenn es die Lehrer zulassen) ein viel besseres Verhältnis mit ihnen. Manche Lehrer haben uns gesiezt, allerdings aber beim Vornamen genannt.

Allerdings ist es auch viel mehr Eigenverantwortung als noch in der Realschule und man muss eben selbst wissen, ob man die Ausbildung machen möchte. Viele Leute brechen schon nach dem ersten Jahr ab. So hatten wir am Ende des Jahres nurnoch 3/4 der Schüler vom Anfang. Üblicherweise waren im dritten Jahr nurnoch 5-15 Leute in der Klasse. Gestartet sind die Klassen meist mit um die 30 Schüler.

Wenn ihr Glück habt, habt ihr auch eine ganz nette Klassengemeinschaft. Schade fand ich es, dass viele den ITA benutzt haben, um nichts machen zu müssen bzw als Notlösung weil sie keine Ausbildung bekamen. Diese Leute wurden aber nach dem ersten Jahr recht schnell herausgefiltert und die meisten Schüler, die übrig blieben hatten wirklich Interesse an der Materie. So machte es eigentlich auch Spaß, da man eben fast nur machte, was einen auch interessierte. Macht man den ITA ohne echtes Interesse, ist es eben eher langweilig.

Wen es wirklich interessiert, dem würd ich danach eine Ausbildung oder ein Studium vorschlagen. Der ITA ist eher ein "Appetitmacher" als alles andere, leider wurde vieles was mich interessierte nicht wirklich abgedeckt.


Ich hoffe, ihr habt ein (besseres) Bild von der Ausbildung bekommen und könnt euch vorstellen, wie das in etwa abläuft. Wenn ihr noch Fragen habt, meldet euch! :3




Kommentare:

  1. Das klingt total interessant. Ich habe noch nie von dieser Ausbildung gehört, aber sie klingt nach einer echt guten Chance für Leute mit Realschulabschluss, die Richtung Informatik gehen möchten :-)

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  2. Vom GTA hatte ich schon gehört, aber noch nie vom ITA. Klingt zwar sehr interessant, aber doch irgendwie eher nur nach einer Alternative, um sein Abitur nachzuholen.
    Etwas schade finde ich, dass Du zwar schreibst, dass man auch als totaler Anfänger in dieser Ausbildung gut aufgehoben ist, in den nächsten Zeilen die Fächer aber nur minimal beschreibst, so dass ein Anfänger wahrscheinlich immer noch Fragezeichen vor dem inneren Auge hat und sich andere Informationsquellen suchen muss.
    Was auch sehr interessant in diesem Post gewesen wäre, ist, was Du im Anschluss gemacht hast. Hast Du einen Job gefunden oder ein Studium angefangen? Wie gut bist Du damit weiter gekommen oder wie schwer hattest Du es, Anschluss zu finden? Ich habe z. B. selbst eine schulische Ausbildung gemacht und wusste vorher schon, dass es mit dem Berufseinstieg im Anschluss nicht einfach werden würde. Denn das Hauptproblem ist, dass sich die meisten Arbeitgeber denken, es fehle an Berufserfahrung und man könne dementsprechend nichts. Und ich bin der Meinung, dass es nicht Sinn und Zweck der Sache ist, Geld in eine schulische Ausbildung zu investieren, um danach noch eine betriebliche Ausbildung zu machen. Wie viel kostet so eine ITA Ausbildung eigentlich? Schön und gut, zu wissen, dass sie bafögberechtigt ist, aber das Schüler-Bafög ist nicht unbedingt viel :)

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    1. Vielleicht sollte ich das alles noch mal detaillierter schreiben, ich werde es mir auf jeden Fall vornehmen. Ein paar Antworten gebe ich dir allerdings hier schon: die Ausbildung kostet nichts, man kann sie an staatlichen Schulen machen. Ob es sie auch an privaten Schulen gibt weiß ich jetzt gerade nicht, da würde sie aber kosten, da eben Privatschule.
      Der Abschluss ansich ist eher ein Sprungbrett für eine anschließende Ausbildung oder ein Studium. Man lernt in der Ausbildung wirklich nur Grundkenntnisse und die Arbeitgeber sind oft der Meinung man könne nichts, wie du es schon beschrieben hast.
      Ich selber habe nach der Ausbildung ein Informatikstudium angefangen, allerdings wieder aufgehört.
      Die Fächer werd ich dann später nochmal genauer erklären. Danke für deine Fragen und Anregungen!

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    2. Achso, das ist dann natürlich geil, wenn man nichts dafür zahlen muss. Also kann man das wie eine Berufsfachschule sehen? Ich hab z. B. mein Abitur an einem Beruflichen Gymnasium gemacht im Bereich Wirtschaft; wir hatten also neben Deutsch, Englisch, Mathe und einer zweiten Fremdsprache noch wirtschaftsbezogene Fächer. Und damals wurde auch ein Zweig für Wirtschaftsassistenten eingeführt. Solche Wirtschaftsassistenten gab es auch an der Schule, an der ich dann meine Ausbildung gemacht hab (Privatschule). Da fand ich das total paradox, dass es tatsächlich Leute gab, die dafür zahlten, obwohl man auch prima an eine staatliche Schule hätte gehen können :D
      Ich find die Einstellung der meisten Arbeitgeber ziemlich blöd... Wir Europasekretäre haben in der Ausbildung alles nötige gelernt, der Rest ist nur noch Einarbeitung, die ohnehin bei jedem neuen Mitarbeiter anfällt. Aber irgendwie sehen die das nicht so. Sehr ernüchternd.

      Wieso hast Du mit dem Studium aufgehört? Und was machst Du jetzt? :)

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